| klar regional: Magazin für die Zentralschweiz, geschrieben von Sandra Bucher, Luzern | ||
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Sechs Kantone, ein See, viele Berge Ausflüge, Märkte, Feste und Leute treffen klar regional |
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Obwalden: der Kanton, aus dem ich kommeIch bin in Sarnen aufgewachsen, und der Sarnersee war mein erster See. Im Sommer badete man in Wilen oder am Seefeld, im Herbst ging man an die Älplerchilbi, im Winter fuhr man auf die Frutt. Obwalden ist ein Kanton mit rund 38'000 Einwohnerinnen und Einwohnern, sieben Gemeinden, einem Talboden und ein paar Seitentälern. Ich wohne heute in Luzern und komme mit der Zentralbahn in 20 Minuten zurück, und jedes Mal ist es kürzer, als ich denke. ![]() Sarnen und der SarnerseeSarnen ist der Hauptort, mit einem Dorfkern um den Dorfplatz, der Pfarrkirche auf dem Hügel, dem Rathaus und dem Landenberg, einer Wiese über dem Dorf, auf der früher die Landsgemeinde stattfand. Der Sarnersee liegt direkt daneben, sieben Kilometer lang, mit einem Uferweg, der ihn fast ganz umrundet; die Runde misst rund 17 Kilometer und dauert zu Fuss gut vier Stunden, mit dem Velo eineinhalb. Die Badeplätze in Sarnen, Wilen, Sachseln und Giswil sind frei zugänglich. Im Frühling, wenn die Berge noch Schnee haben und der Talboden grün ist, ist die Seerunde der beste Ausflug des Kantons, und niemand ausser den Einheimischen macht ihn.
Melchsee-FruttDie Frutt ist eine Hochebene auf 1'920 Metern mit drei Seen, Melchsee, Tannensee und Blausee, und einem autofreien Dorf. Man erreicht sie ab Sarnen mit dem Postauto nach Stöckalp (rund 30 Minuten) und von dort mit der Gondelbahn. Im Sommer ist die Frutt Ausgangspunkt der Vier-Seen-Wanderung nach Engstlenalp und Engelberg, im Winter ein Skigebiet für Familien. Was viele nicht wissen: Im Melchsee kann man fischen, das Patent gibt es vor Ort, und die Forellen sind der Grund, warum meine Familie jedes Jahr einmal hinaufgeht. Die Wanderung mit Zeiten steht auf der Seite Wandern mit Bahn und Bus. Engelberg und TitlisEngelberg ist die grosse Ausnahme in Obwalden: ein Klosterdorf, das zum internationalen Ferienort geworden ist, mit dem Titlis (3'238 Meter) als Zugpferd. Die Zentralbahn fährt ab Luzern in 45 Minuten hin, ab Sarnen mit Umsteigen in Hergiswil. Die Titlis-Bahn mit der drehenden Rotair-Gondel bringt einen auf 3'020 Meter, zum Gletscher, zur Hängebrücke und zu vielen Leuten aus aller Welt. Wer es ruhiger will, nimmt die Bahn nach Brunni auf die Sonnenseite, mit dem Härzlisee und einem Kneippweg, oder fährt zur Fürenalp am Talende. Das Kloster Engelberg ist ein lebendiges Benediktinerkloster mit einer Schaukäserei, und die Klosterkirche ist offen. Lungern und Flüeli-RanftLungern liegt am Lungerersee, dem dritten See des Kantons, unterhalb des Brünigpasses. Der See ist türkis, was an der Wasserherkunft liegt, und im Sommer kann man darin baden und Boot fahren. Von Lungern fährt eine Luftseilbahn auf Turren, ein kleines Wandergebiet mit Blick auf den See. Flüeli-Ranft, oberhalb von Sachseln, ist der Ort des Niklaus von Flüe, des Bruder Klaus, mit seinem Wohnhaus, der Ranftschlucht mit den zwei Kapellen und der Einsiedlerzelle. Man erreicht es ab Sachseln mit dem Postauto oder in einer halben Stunde zu Fuss. Auch für Nichtgläubige ist die Ranftschlucht ein stiller Ort, und die Landschaft darum herum ist Obwalden in Reinform: Wiesen, Bauernhöfe, Hochstammbäume. Offizielle Informationen des Kantons stehen auf obwalden-tourismus.ch. Älplerchilbi und die Chilbi in SarnenDie Älplerchilbi ist das Fest des Kantons. Im Oktober und November, nach dem Alpabzug, feiert jede Gemeinde ihre eigene: Kerns, Sarnen, Sachseln, Giswil, Lungern, Alpnach. Es beginnt mit einem Gottesdienst, dann kommen die Älpler mit Wildmaa und Wildwyb, die Sennenchilbi-Gruppe hält eine Rede mit Spott über das Dorfgeschehen, und nachher wird gegessen und getanzt, bis die Musik aufhört. Als Kind war die Kernser Älplerchilbi für mich der Höhepunkt des Jahres, mehr als Weihnachten. Daneben hat Sarnen seine Chilbi mit Bahnen und Marktständen im Herbst und den Wochenmarkt auf dem Dorfplatz im Sommerhalbjahr. Die Termine nach Saison stehen auf der Seite Märkte und Feste im Jahreslauf. AusgehenSarnen hat um den Dorfplatz Restaurants und Cafés und ein Kino, im Sommer eine Seebadi mit Bar. Engelberg hat als Ferienort das dichteste Angebot des Kantons mit Bars, Restaurants und im Winter Après-Ski. Der Rest des Kantons hat Dorfbeizen, und die sind hier noch der Ort, an dem man am Freitag hingeht. Wer Nachtleben sucht, fährt nach Luzern; die letzte Zentralbahn zurück nach Sarnen fährt spät genug. KennenlernenObwalden ist ein Kanton, in dem der Turnverein, die Musikgesellschaft, der Jodlerklub und die Fasnachtsgesellschaft das Dorf zusammenhalten. Wer zuzieht, wird nicht abgelehnt, aber auch nicht abgeholt; man muss an die Probe gehen. Meine Eltern sind seit 40 Jahren im Kirchenchor, und ich behaupte, sie kennen darum jeden im Tal. In Engelberg ist die Bevölkerung mit Saisonarbeitenden und Zugezogenen gemischter, dort geht es auch über die Arbeit. Alles Weitere auf der Seite Neue Leute kennenlernen; und die Nachbarn jenseits des Kernwalds finden Sie auf der Seite Nidwalden. FazitObwalden ist kein Kanton für ein Wochenende mit Programm, sondern einer für Sonntage. Eine Seerunde, eine Chilbi, ein Tag auf der Frutt. Wer das mag, kommt wieder. Wer es nicht mag, hat es nach Engelberg ohnehin nicht weit zum Titlis.
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