klar regional: Magazin für die Zentralschweiz, geschrieben von Sandra Bucher, Luzern
klar regional Sechs Kantone, ein See, viele Berge
Ausflüge, Märkte, Feste und Leute treffen

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Zug: der kleine Kanton mit dem Kirschbaum

Im Juni ist Zug ein anderer Kanton. Dann hängen die Chriesi an den Hochstammbäumen, die Bäcker verkaufen Kirschtorte, und am Nachmittag, wenn die Chriesigloggä läutet, rennen in der Altstadt Leute mit acht Meter langen Leitern um die Wette. Wer Zug nur als Sitz von Rohstofffirmen kennt, sollte einmal im Juni kommen. Der Rest des Jahres ist ruhiger, aber nicht weniger lohnend.

Zuger Altstadt am See

Chriesisturm: das Fest, das den Kanton erklärt

Der Chriesisturm findet Ende Juni statt, an dem Tag, an dem die Kirschen als reif erklärt werden. Um zwölf Uhr läutet die Chriesigloggä auf dem Zytturm, dann rennen die Teilnehmenden mit den langen Chriesileitern durch die Altstadt. Dazu kommt der Chriesimärt am Landsgemeindeplatz mit Kirschen, Kirschtorte, Kirsch und allem, was man aus der Frucht machen kann. Das Fest ist jung, es wurde erst in den 2000er-Jahren nach alter Vorlage wiederbelebt, aber es passt zu Zug wie nichts sonst. Der Kanton hat noch Tausende Hochstamm-Kirschbäume, und die Zuger Kirschtorte ist die eine Sache, die man mitbringt, wenn man aus Zug kommt.

Ägerisee

Ausflüge

  • Zugerberg. Bus 11 vom Bahnhof Zug zur Talstation Schönegg, dann die Standseilbahn in wenigen Minuten auf rund 925 Meter. Oben: Hochmoor, Weiden, ein Rundweg von rund zwei Stunden, Blick auf den Zugersee und die Rigi. Im Winter präparierte Winterwanderwege. Es ist der Ausflug, den Zuger Familien am Sonntag machen, weil man in einer halben Stunde oben ist.
  • Ägerisee. Der zweite See des Kantons, 20 Minuten mit dem Bus ab Zug nach Unterägeri oder Oberägeri. Badeplätze, eine Seerundfahrt mit dem Schiff im Sommer, ein Uferweg. Am Südende, in Morgarten, erinnert ein Denkmal an die Schlacht von 1315. Im Sommer ist der Ägerisee spürbar kühler und ruhiger als der Zugersee.
  • Höllgrotten in Baar. Tropfsteinhöhlen im Lorzentobel, offen von April bis Oktober, mit Bus oder zu Fuss ab Baar in rund 40 Minuten durch das Tobel erreichbar. Eintritt rund 15 Franken für Erwachsene. Bei Regen der beste Ausflug des Kantons.
  • Wildspitz. Mit 1'580 Metern der höchste Punkt des Kantons, auf dem Rossberg zwischen Zug und Schwyz. Aufstieg ab Sattel (Bahnhof der Südostbahn) über den Sattel-Hochstuckli, rund drei Stunden, oder ab Unterägeri. Ein Berggasthaus steht oben. Für Zug ist das eine richtige Wanderung.
  • Zuger Altstadt und Seepromenade. Zytturm, Landsgemeindeplatz, die Häuser am See. Die Promenade zieht sich bis zum Strandbad. Der Sonnenuntergang über dem Zugersee ist berühmt, und an einem Sommerabend sitzt halb Zug auf der Mauer am Rigiplatz.

Der Zugersee mit dem Schiff

Der Zugersee wird oft übersehen, weil der Vierwaldstättersee nebenan alle Aufmerksamkeit bekommt. Dabei fahren im Sommerhalbjahr Kursschiffe ab Zug nach Cham, Walchwil, Arth und Immensee, und die Rundfahrt dauert rund zwei Stunden. Auf der Westseite liegt Cham mit dem Villettepark am Wasser, einem der schönsten Uferparks der Zentralschweiz, gratis und an Sommerabenden voll mit Leuten, die grillieren. Auf der Ostseite fällt der Rossberg steil in den See, und Walchwil hat wegen der geschützten Lage ein Klima, in dem Feigen und Kastanien wachsen. Wer nur eine Stunde hat, fährt mit dem Schiff nach Cham und mit der S-Bahn zurück, zehn Minuten.

Stierenmarkt und Wochenmarkt

Der Zuger Stierenmarkt findet Anfang September auf dem Stierenmarktareal statt, seit über hundert Jahren. Zuchtstiere werden gezeigt, prämiert und verkauft, dazu Marktstände und ein Festbetrieb. Er ist ein Landwirtschaftsanlass, kein Volksfest, aber genau darum sehenswert: Hier sieht man den Kanton, der nicht in den Büros arbeitet. Der Wochenmarkt in der Zuger Altstadt findet am Samstagmorgen statt, deutlich kleiner als der Luzerner, aber mit den Produzenten aus dem Ägerital und dem Menzinger Berg. Was der Kanton offiziell anbietet, steht auf zug-tourismus.ch.

Ausgehen

Zug ist am Abend zurückhaltend. Die Altstadt hat ein paar Bars und Restaurants zwischen Kolinplatz und Landsgemeindeplatz, die Seepromenade lebt im Sommer, und an der Baarerstrasse Richtung Bahnhof liegen die etwas jüngeren Lokale. Nach Mitternacht wird es still. Wer richtig ausgehen will, fährt nach Luzern (20 Minuten) oder nach Zürich (25 Minuten), was die Zuger auch tun. Für ein Nachtessen mit Blick auf den See und die Rigi gibt es dagegen wenige bessere Orte in der Zentralschweiz.

Kennenlernen

Zug ist die Zentralschweizer Stadt mit dem höchsten Anteil an Zugezogenen, viele aus dem Ausland, viele auf Zeit. Das hat einen Nebeneffekt: Es gibt hier mehr Angebote für Leute, die niemanden kennen, als anderswo. Englischsprachige Treffs, Sprachstammtische, Sportgruppen, die per Chat organisiert werden. Gleichzeitig gibt es das alte Zug mit seinen Vereinen, Musikgesellschaften und Chören, das für Zugezogene nicht weniger offen ist, wenn man den ersten Schritt macht. Meine Freundin Nicole (42, seit acht Jahren in Zug) sagt, sie habe ihre Freunde über den Lauftreff und über die Nachbarn gefunden, in dieser Reihenfolge. Welche Wege es sonst gibt, steht auf der Seite Neue Leute kennenlernen.

Wer von Zug aus weiter will: Nach Schwyz fährt die Südostbahn über Arth-Goldau in einer halben Stunde, die Seite Schwyz beginnt mit genau dieser Fahrt. Und wer den Zugerberg im Rahmen einer längeren Tour einplanen will, findet ihn auf der Seite Wandern mit Bahn und Bus mit Zeiten und Ausgangspunkt.

 

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