klar regional: Magazin für die Zentralschweiz, geschrieben von Sandra Bucher, Luzern
klar regional Sechs Kantone, ein See, viele Berge
Ausflüge, Märkte, Feste und Leute treffen

klar regional

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Beste Dating-Seiten der Schweiz, gelesen mit Blick auf die Zentralschweiz

In Luzern trifft man am Freitagabend jemanden, wenn man will. In Andermatt, in Flüelen oder hinten im Muotatal ist das eine andere Rechnung: Man kennt die Leute im Dorf, die Leute im Dorf kennen einen, und der nächste Ausgang mit unbekannten Gesichtern liegt eine Postautofahrt und eine Bahnstrecke entfernt. Genau deshalb steht diese Seite in einem Magazin, das sonst über Märkte, Bergbahnen und Wanderwege schreibt. Für viele in der Region ist eine Dating-Plattform schlicht der Weg, den Radius grösser zu machen, ohne jedes Wochenende nach Zürich zu fahren.

Damit Sie wissen, woran Sie sind: Ich selber bin auf keiner dieser Plattformen angemeldet und habe für diesen Text auch kein Konto eröffnet. Meine Grundlage sind die öffentlichen Seiten der Anbieter, ihre Vertragsbedingungen und Hilfeseiten, einige Schweizer Vergleichsberichte und zwei Freundinnen, die mir offen erzählt haben, wie es ihnen geht. Nicole ist 42 und wohnt in Zug, Brigitte ist 55 und lebt in Schwyz. Wo eine Angabe vom Anbieter stammt, schreibe ich das dazu.

Blick auf den Pilatus

Was in unserer Region anders ist

Die Zentralschweiz ist auf der Karte klein und im Alltag weit. Von Altdorf nach Zug fährt man mit dem Zug knapp eine Stunde, von Stans nach Einsiedeln braucht es Umsteigen und Geduld, und wer in Engelberg wohnt, rechnet ohnehin in Fahrplänen. Für die Partnersuche heisst das zweierlei. Erstens lohnt es sich, den Suchradius nicht zu eng zu setzen: Wer nur 15 Kilometer um das eigene Dorf zulässt, sieht in Uri oder Obwalden sehr wenige Vorschläge. Zweitens lohnt es sich, schon beim ersten Treffen an die Rückfahrt zu denken.

Mein praktischer Rat für erste Treffen: ein Ort, den beide mit Bahn und Bus gut erreichen. Luzern Bahnhof, Zug am See, Arth-Goldau als Umsteigeknoten, Brunnen am Quai. Ein Kaffee mit Blick auf den See und danach, wenn es passt, ein kurzer Spaziergang. Wer lieber gleich draussen ist, findet auf der Seite Wandern mit Bahn und Bus Routen, bei denen Start und Ziel an einer Haltestelle liegen. Das macht auch den Abschied einfach, falls es nicht passt.

Und noch etwas: In einem Tal, in dem man sich am Samstag beim Beck oder auf dem Wochenmarkt begegnet, ist Diskretion wertvoll. Alle Plattformen unten erlauben es, Fotos zunächst nur eingeschränkt zu zeigen, bei einigen ist das sogar der Normalfall. Sie entscheiden, wann jemand Ihr Gesicht sieht.

Für eine feste Beziehung mit Fragebogen

Drei der sieben Plattformen beginnen mit einem ausführlichen Fragebogen und schlagen danach passende Profile vor. Das kostet am Anfang etwas Zeit, spart aber später das endlose Durchblättern, und für Leute mit wenig freien Abenden ist das ein echter Vorteil.

be2

Seit gut zwanzig Jahren vermittelt be2 in der Schweiz und gehört zu den Namen, die man hier am häufigsten hört. Die Ausrichtung ist klar: Wer sich anmeldet, sucht etwas Ernsthaftes, flüchtige Abenteuer sind nicht das Ziel. Am Anfang steht eine Persönlichkeitsanalyse. Ohne zu bezahlen erhalten Sie das Ergebnis, eine Beschreibung des Menschen, der gut zu Ihnen passen würde, und erste Vorschläge, dazu Lächeln und die sogenannten Flirtfragen. Bei den Vorschlägen fliesst auch die Region ein, was für die Zentralschweiz der wichtigste Punkt überhaupt ist.

Mit Premium sehen Sie Fotos, schreiben ohne Begrenzung, speichern Favoriten und können per Video telefonieren, ohne die Handynummer herzugeben. Gerade bei langen Anfahrten ist so ein Videogespräch vor dem ersten Treffen Gold wert. Die Preise auf der Bestellseite: bei 12 Monaten CHF 59.90 im Monat (718.80 total), bei 6 Monaten 79.90, bei 3 Monaten 119.90. Die App läuft auf dem iPhone wie auf Android. Nicole aus Zug nutzt be2, mehr dazu weiter unten. be2

Parship

Parship ist seit dem Valentinstag 2001 online und hat seinen Sitz in Hamburg. Die Methode geht auf den Hamburger Professor Hugo Schmale zurück: Nach der Anmeldung beantworten Sie einen psychologisch aufgebauten Fragebogen, und daraus ergeben sich Matching-Punkte zwischen 60 und 140, wobei 100 laut Parship schon ein sehr guter Wert ist. Das Motto dahinter: möglichst viel Ähnlichkeit, so viel Unterschied wie nötig. Laut Anbieter sind 51 Prozent der Mitglieder Frauen, und die Altersgruppen zwischen 30 und 59 sind ähnlich stark vertreten.

Die Basis-Mitgliedschaft ist gratis und reicht, um den Fragebogen auszufüllen und Vorschläge zu sehen, die Fotos bleiben dabei unscharf. Premium gibt es laut Parship ab CHF 39.90 im Monat, je nach Paket und Laufzeit. Dazu kommt eine Kontaktgarantie: Erreichen Sie eine bestimmte Zahl an Kontakten nicht, verlängert Parship die Mitgliedschaft ohne Kosten. Sympathisch finde ich zwei Details: Die Handy-Verifizierung mit Symbol auf dem Profil ist für alle gratis, und die Schweizer Vertragsbedingungen richten sich nach Schweizer Recht, und gestritten würde vor einem Schweizer Gericht. Apps für iOS und Android sind vorhanden. Parship

eDarling

eDarling ist ein Name, den viele seit Jahren kennen, und die Schweizer Seite tritt heute frisch und schlicht auf: «Bereit für etwas Echtes?» steht dort, gerichtet an Leute, die wissen, was sie wollen, und das auch offen sagen. Was mir gefällt: eDarling legt die Preise offen auf einer Seite dar, die man ohne Anmeldung lesen kann. Zwölf Monate kosten CHF 718.80, also 59.90 im Monat, sechs Monate 479.40, drei Monate 359.70.

Eine App für die Schweiz gibt es im Moment nicht, die Website läuft aber ordentlich auf dem Handy. Die Seite ist auf Deutsch und auf Französisch verfügbar, was nützlich ist, falls Sie beruflich viel in der Romandie sind oder jemanden von dort kennenlernen möchten. eDarling

Nach Lebensphase oder Interessen

Zwei Plattformen setzen weniger auf den Test als auf die Zielgruppe. Das ist hilfreich, wenn Sie genau wissen, in welchem Kreis Sie suchen möchten.

Zusammen.ch

«Online-Dating ab 50» lautet der Untertitel, und damit ist die Zielgruppe benannt. Zusammen.ch ist die Schweizer Ausgabe von Singles50 und trug bis zum Sommer 2022 den Namen Kultivierte Singles. Auch hier beginnt alles mit einer Persönlichkeitsanalyse, das Ergebnis und die ersten Vorschläge kosten nichts. Für Fotos und Nachrichten braucht es Premium, zu denselben Tarifen wie bei be2: 59.90 im Monat bei zwölf Monaten, 79.90 bei sechs, 119.90 bei drei.

Die Videoanrufe sind laut Anbieter mit 128 Bit verschlüsselt, Apps für iOS und Android gibt es. Für die Zentralschweiz passt die Plattform gut, weil viele Menschen über 50 hier seit Jahrzehnten am selben Ort wohnen und ihren Kreis kennen: Ein neues Gesicht findet man eher online als am Stammtisch. Brigitte aus Schwyz ist seit rund einem Jahr dabei. Zusammen.ch

Academic Singles

Academic Singles spricht gebildete, kultivierte Singles an und berücksichtigt bei den Vorschlägen ausdrücklich das Bildungsniveau. Der Fragebogen dauert laut Vergleichsberichten etwa eine halbe Stunde, und die Startseite betont, dass Profile und Fotos kontrolliert werden. Die Seite wirbt mit den hohen Ansprüchen der Schweizerinnen und Schweizer «von Luzern bis St. Moritz», was mir als Luzernerin natürlich gefällt.

Die Tarife liegen laut Vergleichsseiten bei ab ca. CHF 59.90 im Monat für ein Jahr, 79.90 für ein halbes, 119.90 für drei Monate. Apps für iOS und Android sind da. In Luzern und Zug, mit Universität, Hochschule und vielen internationalen Arbeitgebern, ist das Umfeld dafür wie gemacht. Wer in einem kleinen Kanton wohnt, setzt den Radius am besten auf die ganze Region. Academic Singles

Ohne Fragebogen, mit mehr Freiheit

Die letzten zwei funktionieren anders: kein Persönlichkeitstest, dafür eigene Suche, eigene Filter und ein schnellerer Einstieg.

LoveScout24

LoveScout24 hiess früher FriendScout24, ist seit 2000 online und laut Wikipedia seit 2004 in der Schweiz. Gedacht ist sie für Singles, die eine echte Beziehung suchen, verzichtet aber auf einen Test. Stattdessen bekommen Sie jeden Tag per E-Mail oder Push-Nachricht eine persönliche Auswahl an Profilen, und mit der ausführlichen Suche stellen Sie selber zusammen, wer Sie interessiert. Ein Kontaktfilter sorgt dafür, dass Sie nur von Leuten angeschrieben werden, die zu Ihren Kriterien passen, und im Unsichtbar-Modus schauen Sie sich in Ruhe um.

Laut LoveScout24 werden alle Profiltexte und Fotos vom Team moderiert. Freiwillig können Sie Ihr Foto mit einem kurzen Video-Selfie verifizieren lassen und erhalten dann ein blaues Symbol. Gratis sind Profil und eine Auswahl an Profilen, zum Schreiben braucht es ein Abo, dessen Preis im Mitgliederbereich angezeigt wird. Neben Nachrichten gibt es Live-Chats, Audio- und Videoanrufe, und der Anbieter organisiert auch Veranstaltungen, online und in der Umgebung der Mitglieder. Ein lokales Detail am Rand: Die Vertretung für den Datenschutz in der Schweiz hat ihre Adresse in Luzern. Die Apps für iOS und Android sind kostenlos. LoveScout24

C-Date

C-Date gibt es seit 2008, und die Plattform macht kein Geheimnis daraus, was sie will: Begegnungen ohne feste Verpflichtung, für Erwachsene ab 18. Einen Persönlichkeitstest hat sie nicht. Stattdessen wählen Sie bei «Mein Typ» aus einer Reihe von Bildern die fünf aus, die Sie am meisten ansprechen, und darauf baut die Suche auf. Den richtigen Namen brauchen Sie nicht, Fotos lassen sich verpixeln oder unscharf stellen und werden erst auf Anfrage sichtbar.

Gerade in der Zentralschweiz, wo man sich schnell über den Weg läuft, ist diese Zurückhaltung beim Bild ein echtes Plus. Die Preise liegen laut Vergleichsseiten bei ca. CHF 80 bis 140 im Monat je nach Laufzeit, für Frauen ist die Nutzung laut mehreren Vergleichsberichten gratis. Apps für iOS und Android gibt es. Wer offen sagt, was er oder sie sucht, ist hier am richtigen Ort. C-Date

Worauf Sie achten sollten

Alle sieben Plattformen arbeiten mit Abos, die sich automatisch verlängern. Das ist bequem, wenn es gut läuft, und leicht zu steuern, wenn Sie den Termin kennen. Mein Vorschlag: Notieren Sie das Laufzeitende am Tag des Kaufs im Kalender, samt Erinnerung einige Wochen vorher.

Bei be2, eDarling, Zusammen.ch und Academic Singles steht auf der Bestellseite eine Frist von 4 Wochen vor Ablauf. Bei Parship steht die Frist in den Angaben beim Kauf und in der Bestätigung, die per E-Mail kommt. LoveScout24 ist hier besonders flexibel: Während der ersten Laufzeit lässt sich das Abo jederzeit online im eigenen Konto beenden, nach einer Verlängerung mit einem Monat Vorlauf. Wer über den App Store oder Google Play bezahlt hat, erledigt die Kündigung dort. Und bewahren Sie die Bestätigung auf, dann ist alles sauber. Allgemeine Beiträge zu Abos und Fristen finden Sie beim K-Tipp.

Noch ein Tipp zur Auswahl: Lieber eine Plattform, die zu Ihnen passt, und diese dafür mit einem vollständigen Profil und einem ehrlichen Foto. Das bringt mehr als drei halbe Anmeldungen.

Wie es Nicole und Brigitte geht

Nicole aus Zug hat sich im Frühling bei be2 angemeldet. In den ersten Wochen kamen viele Vorschläge, später wurden es weniger, und das findet sie logisch, weil rund um Zug nicht unendlich viele Leute in ihrem Alter suchen. Getroffen hat sie bisher zwei Männer, den einen in Zug, den anderen in Luzern, und den zweiten sieht sie weiterhin. Ihr Tipp: die Region im Profil bewusst eingrenzen, damit nicht plötzlich Vorschläge aus Basel auftauchen.

Brigitte aus Schwyz ist seit einem Jahr bei Zusammen.ch. Ihr gefällt, dass die anderen ungefähr gleich alt sind und niemand erklären muss, warum er oder sie mit über fünfzig noch einmal sucht. Bisher waren es zwei Kaffees und ein Spaziergang am Lauerzersee, eine Beziehung ist noch nicht daraus geworden, aber sie hat Freude an den Gesprächen. Das Ende ihres Abos hat sie sich früh notiert, damit sie in Ruhe entscheiden kann, ob sie verlängert. Beide sagen ausdrücklich, dass das ihre persönliche Erfahrung ist.

Und ohne Bildschirm?

Eine Plattform ersetzt den Verein, den Chor oder den Lauftreff nicht, sie ergänzt sie. Viele Paare in der Region haben sich trotzdem auf die altmodische Art gefunden, an einem Fest, bei einer Wanderung, in einem Kurs. Was es dafür in der Zentralschweiz gibt, steht auf der Seite Neue Leute kennenlernen. Und wenn es mit jemandem von einer der Plattformen klappt: Die Zentralschweiz hat genug Aussichtspunkte für ein zweites Treffen.

 

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